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Wer hat in der Antike die Kaufkraft festgelegt?

Allgemeines zum Thema Schatzsuche, Heimatforschung, Hobbyarchäolgie und Sondengehen.

Moderator: Octavian

Wer hat in der Antike die Kaufkraft festgelegt?

Beitragvon Octavian » Mo 19 Jul, 2010 15:34

Hallo zusammen,

gestern bin ich mit Pituli auf dem Weg von einem Besuch nach hause durch eine Gegend gekommen,
in der nachweislich mal keltische Siedlungen waren.

Und wie das immer so ist, unterhält man sich über dies und das.

Ich weiß, dass in der Gegend schon Münzen der Vindeliker und Treverer gefunden wurden.

Jetzt hab' ich mir mal überlegt, wenn so ein Stamm im Wald oder wo auch immer gelebt hat,
war er ja eigentlich ziemlich von der restlichen Welt abgeschnitten.

Die heutige Tele-Kommunikation gab's ja logischerweise noch nicht.

Gelebt haben die von dem was die Gegend so hergab,
gejagtes Wild, Wurzeln Kräuter etc.

Wenn sich dann mal eine Gelegenheit gab, und ein "Wanderer" vorbeikam wurde getauscht
etc. Fell gegen Pfeilspitze u.s.w.

Irgendwann kam dann "Geld" als "Ersatzfell" ins Spiel.

Gibt es eigentlich Erkenntnisse darüber wie dann irgendwann die "Währung" implementiert wurde?

Wer hat denen, die noch nie eine Münze gesehen hatten erklärt, bzw. sie überzeugt,
dass ein Stater soundsoviele Felle wert war etc.?

Der ausschließliche Geldhandel hat ja erst viel später stattgefunden, aber irgendwie muss das ja mal angefangen haben.

Und wenn ich mir so vorstelle, ich hätte mit viel Schweiß und Gerenne ein paar überzählige
Felle zusammengetragen, und plötzlich käme einer daher und würde mir einen Quinar dafür anbieten,
würde ich den fragen ob er sie noch alle hat.

So ne Münze kann man nicht essen, keine Wildsau damit erlegen, eigentlich nix, außer wieder eintauschen,
aber wer hat die "Hinterwäldler" davon überzeugt, dass sie jederzeit wieder was für die kleinen runden
Dinger bekommen ?

Hat jemand eine Quelle in der man das nachforschen kann?

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Re: Wer hat in der Antike die Kaufkraft festgelegt?

Beitragvon Octavian » Mo 19 Jul, 2010 22:48

Ich denke kaufen konnte man damit schon etwas,

nur wer hat die Höhe des Einkaufs in die Relation vom Wert der Münzen gesetzt?

Bei den Römern war das sicher irgendeine Administration, in letzter Konsequenz der Kaiser oder Senat.

Da sind ja auch Werte in Relation gesetzt worden

wie der AS ist ein Pfund, der Dupondius 2 Asse u.s.w.,

aber bei den Kelten gab es so eine "Zentralauthorität" meines Wissens nicht.

Deshalb hätte theoretisch der eine Stammesfürst mit dem anderen was aushandeln müssen.

Das stelle ich mir schwierig vor, dann einen Raum von den Alpen bis zum Rheinland oder den Balkan
"gleichzurichten".

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Re: Wer hat in der Antike die Kaufkraft festgelegt?

Beitragvon Merowech » Do 22 Jul, 2010 11:25

Es fällt sehr schwer, den Wert der einzelnen römischen Münzen mit heutigen Währungen zu vergleichen. Am ehesten kann man noch die durchschnittlichen Einnahmen den durchschnittlichen Preisen gegenüberstellen, um Aussagen darüber zu machen, welche Kaufkraft die einzelnen Münzen hatten.

Es verdiente...
ein Legionär 225 – 300 Denare im Jahr
ein Landarbeiter 120 – 210 Denare im Jahr
ein Handwerker 300 – 500 Denare im Jahr
ein Arzt bis zu 6.000 Denare im Jahr
Es kostete...
der Mindest-Lebensunterhalt für eine Familie pro Jahr 120 – 180 Denare
die Steuer eines römischen Bürgers pro Jahr 2 Denare
ein Schwein 60 Denare
ein Esel oder eine Kuh 100 – 200 Denare
ein Sklave oder eine Sklavin für den Haushalt 200 – 500 Denare
eine besonders hübsche Luxussklavin 1.000 Denare

Einen vergleich zuvon römischen zu keltischen Münzen habe ich noch nicht.
Das Münzwesen der Kelten ist von einer fast unüberschaubaren Vielfalt und spiegelt so auch die politische Struktur dieser Siedlungsgemeinschaften wieder. Denn «die Kelten» lebten nicht in grösseren Staatsgebilden, sondern in einer Vielzahl verschiedener Stämme. Ihre Expansion liess nach und nach ein von keltischer Kultur geprägtes Gebiet entstehen, dessen Weiträumigkeit erstaunt.

Münzen lernten die keltischen Stämme über die Griechen kennen, mit denen sie Handel trieben und in deren Reihen sie als Söldner kämpften. Die meisten keltischen Münzen lassen sich denn auch von griechischen Vorbildern ableiten. Allerdings zeigte sich schon bald der Wille zu eigener Gestaltung und Formgebung. Das Resultat waren geniale Umwandlungen der ursprünglichen Motive in eine typisch keltische Formensprache.

Keltische Münzen können grob in ost-, mittel- und westkeltische Prägungen eingeteilt werden. Allerdings ist es schwierig, keltische Währungssysteme zu rekonstruieren; auch Währungsgebiete können nur vermutet werden. Und doch gibt es signifikante Unterschiede bei der Münzprägung der verschiedenen Stämme – während die Westkelten Gold als Münzmetall bevorzugten, prägten die östlichen Kelten überwiegend Silbermünzen.

Münzen wurden um etwa 650 v. Chr. an der Westküste der heutigen Türkei entwickelt. Von dort aus verbreiteten sie sich rasch nach Osten und Westen, bis sie gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. auch die keltischen Stämme in Mitteleuropa erreichten. Hier konnte man mit dem neuen Tauschmittel zunächst nicht viel anfangen: Die Kelten lebten autark, stellten also alles Lebensnotwendige selber her. Die wenigen Dinge, die sie nicht auf dem eigenen Hof produzieren konnten, tauschten sie bei reisenden Händlern ein.

Die Verwendung von Geld, besonders von Kleingeld, ist gebunden an eine Stadtkultur, in der sich die meisten Einwohner ihr Leben im Handwerk oder durch Dienstleistungen verdienen. Erst wer sein Getreide, seinen Wein, seinen Flachs nicht mehr selbst anbaut, sondern Brot beim Bäcker, Wein in der Schenke, Gewänder beim Schneider kauft, braucht Geld, um diese Dinge zu bezahlen. Durch Geld kann Arbeit nämlich direkt in Waren oder Dienstleistungen umgerechnet werden.

In der keltischen Welt begann man Geld wohl im Verlauf des 4. Jahrhunderts v. Chr. zu benutzen. Seit dem frühen 3. Jahrhundert v. Chr. prägten die Kelten dann auch eigene Münzen, wobei sie zunächst griechische, später auch römische Münzen imitierten. Doch bald begannen sie, die ursprünglichen Motive umzugestalten: Die Münzbilder wurden stilisiert und ornamentalisiert – so sehr, dass die originalen Münzen manchmal nur noch mit Mühe zu erkennen sind.

Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. beherrschten die Kelten weite Teile Europas. Auf ihren Kriegszügen kreuzten sie die Klingen mit Etruskern, Römern und Griechen, als Söldner dienten sie unter Philipp II. und Alexander dem Grossen. Auf ihren Feldzügen begegneten die Kelten exotischen Dingen – zum Beispiel Münzen.

Zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. begannen die Kelten, eigene Münzen zu prägen. Zunächst waren diese Ausgaben Kopien von griechischem, römischem oder anderem Geld. Doch bald begannen die Kelten, die griechischen und römischen Motive nach eigenem Geschmack und eigener Mode abzuwandeln. Durch reine Abstraktion vermochten die keltischen Künstler die fremden Vorbilder in geradezu modern anmutende Kunstwerke umzuwandeln.

Eine Entwicklung des Münzwesen der Keltiberer findet man hier http://www.comunicarte.de/RainerWohlfeil/RWTexte/svz104-3.pdf
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Re: Wer hat in der Antike die Kaufkraft festgelegt?

Beitragvon Octavian » Do 22 Jul, 2010 12:40

Sehr schöner Beitrag Purche,

Einzelteile hatte ich schon wo gelesen, aber als Zusammenstellung find ich's gut.

Meine Frage hatte eigentlich darauf abgezielt, wie die kleinen listigen Waldvölker mitbekamen,
dass ein Quinar diesem oder jenem Wert in Naturalien entspricht. :Muenzen:

Nach der Schilderung bzgl. "Stadtkultur" nehme ich an, die "Stadt-Kelten" haben zu Beginn der Verwendung
von Münzen die "Land-Eier" schön :shit: ,

als es der Besch...ene dann rausbekam :google:

hat's was auf die Birne gegeben :abwatschen:

und nach ein bischen :gemein:

ging auch den Landeiern :idee: ein Licht auf

und die Welt war in Ordnung.

Zu Beginn der Geldwährung war's wahrscheinlich wie :lotto:

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